Modellbauclub Hanau-Ronneburg feiert Geburtstag mit englischem Verein – Debatte um Standort
Quelle: Hanauer Anzeiger vom 9. August 2019
Ronneburg – Brexit hin, Brexit her. Wem der menschlische Austausch und Freundschaften wichtig sind, dem sind politische Animositäten oftmals schnuppe. Sicherlich wird die wirtschaftliche Abgrenzung ein Thema sein, aber vielmehr werden Propeller, Motoren und Funksteuerungen Thema sein, wenn in der vorletzten Augustwoche Engländer aus Dartford nach Ronneburg kommen. Es sind Modellflugbegeisterte des Kent Nomads Model Club, die im Hügelland begrüßt werden.
Der
Modellbauclub Hanau-Ronneburg e. V. blickt in diesem Jahr auf 65 Jahre
Vereinsgeschichte zurück; kein großes Jubiläum, aber ein Anlass inne zu halten
und ein wenig zurück zu blicken.
Neun Jahre nach dem Ende des 2. Weltkrieges scharten sich einige Enthusiasten um Helmut Zimmermann, dem Inhaber der „Bastlerzentrale“ am Ballplatz, in Hanau und gründeten den Modellbauclub Hanau e. V.. Er war die treibende Kraft und Gründungsvorsitzender. Ziel war und ist es, alle Sparten des Modellsports zu fördern.
Bild 1: Clubgründer Helmut Zimmermann mit Gattin vor ihrem Geschäft
Doch es war keine leichte Zeit, Geld, Material und Zeit waren knapp. Und nur mit vereinten Kräften schaffte es der junge Verein, ein Fluggelände am Hanauer Hafen zu pachten und einzurichten. Ja, selbst eine kleine Schutzhütte konnte man errichten.
Bild 2: Fluggelände am Hafen, Schutzhütte
In
den folgenden Jahren entwickelte sich der Modellbauclub, man pflegte Kontakte
zu den Nachbarvereinen, war im Hessischen Luftsportbund und im Nauticus
sportlich und wettbewerbsmäßig aktiv und die Mitgliederzahl stieg. Flog man
zunächst Freiflug- oder Fesselflugmodelle und der nahe Main diente bedingt als
Schiffssportgewässer, so brachte die Miniaturisierung der Elektronik die
Möglichkeiten der Fernsteuertechnik; zunächst mit aufwendiger Röhrentechnik und
danach, mit der Entwicklung der Halbleitertechnik, in Transistortechnik. Es ist
heute kaum noch vorstellbar welchen Aufwand man damals betrieb und dennoch
häufig Ausfälle zu beklagen hatte.
Doch
die Zeit forderte das Ihre und Hanau wuchs. Industrie siedelte sich an und
diese benötigte Fläche. Das kostete den Modellbauclub sein schönes, stadtnahes
Fluggelände. Aber auch die Voraussetzungen für die Erteilung einer
„Aufstiegsgenehmigung“, wie es im Amtsdeutsch so schön heißt, wurden verschärft.
Und in der Folge fand der Modellbauclub im Stadtgebiet kein Fluggelände mehr,
was natürlich auch für die Modell-Schiffssportler galt.
Es
war für den Vorstand und die Mitglieder kein Leichtes, diese Krise zu
bewältigen und so war man schließlich froh, beim Motorsportclub Hüttengesäß als
Unterpächter wieder ein Fluggelände zu bekommen. Aber die Suche nach einem
Schiffssportgelände ging weiter. Ende der 60er-Jahre stand der Umzug auf das
neue Fluggelände an.
Bild 3: Aufbau der Wetterschutzhütte in Hüttengesäß
Die Schutzhütte wurde umgesetzt und das „Wahrzeichen für ein Fluggelände“, der Windsack, in Hüttengesäß (Ronneburg-Hüttengesäß) gehisst. Die Schiffsmodellsportler fanden erst Mitte der 70er Jahre am alten Mainarm wieder ein entsprechendes Gelände.
Seiner Verbundenheit mit Hanau treu bleibend präsentierte der auch immer wieder in der Stadt die Ergebnisse seines Hobbys in Form von Ausstellungen. So auch 1974 im Rathausfoyer. Neben der Präsentation der Leistungen seiner Mitglieder war es dabei natürlich auch ein Ziel, insbesondere Jugendliche für das schöne, technisch anspruchsvolle Hobby zu begeistern. Manch heutiges Mitglied fand auf diese Weise den Zugang zu Technik, Hobby und einige sogar zum späteren Beruf.
Bild 4: Ausstellung im Rathausfoyer 1974
Apropos
Jugendarbeit, sie war und ist eines der Hauptanliegen heutiger Vereine und
wurde vom Modellbauclub Hanau-Ronneburg e. V. stets gefördert. Waren es in den
Anfangsjahren die vielen Wettbewerbe „Der kleine Uhu“, so kamen Bastelstunden
z. B. während der Ausstellungen hinzu. Doch für die Jugendlichen in der Stadt
ist es nicht ganz einfach, Bastelmöglichkeiten für ein „nicht ganz staubfreies“
Hobby zu Hause zu bekommen. Das erkannte auch die Vereinsführung und so suchte man eine Möglichkeit, Bastelplätze
auch im Stadtgebiet anbieten zu können.
Dieser Wunsch konnte jedoch nicht so leicht erfüllt werden. Zunächst kam man im Haus der Jugend unter, was aber schnell zu Schwierigkeiten führte. Da den Jugendlichen keine separaten Bastelräume zur Verfügung gestellt werden konnten, mußten die Bastelarbeiten stets am Ende verräumt werden, was zu nicht unerheblichen Beschädigungen führte. Der Frust war groß und konnte durch sportliche Veranstaltungen im Flug- und Schiffsmodellsport nicht ausgeglichen werden.
Es
war das Jahr 1980 als die Stadt Hanau es dem Modellbauclub ermöglichte zu
damals günstigen Konditionen in der Herrnstraße eine Werkstatt einzurichten.
Sie wurde für viele Jahre neben dem Fluggelände in Hüttengesäß und dem
Schiffssportgelände am Altarm des Mains in Steinheim einer der Mittelpunkte des
Vereinslebens.
1980
war ein für das Vereinsleben bedeutsames Jahr. Der Vorstand hatte Kontakt zu
Hanaus Partnerstadt Dartford aufgenommen und erfahren, daß es dort auch einen
Modellbauclub gibt, den North Kent Nomads Model Club. Und so lud man die
Mitglieder zu einem ersten Besuch ein. Zum Mittsommernachtsfest wurde er von
einer kleinen Delegation des North Kent Nomads Model Club besucht. Man war sich
auf Anhieb sympathisch und der Jahresbericht des Vorstandes bemerkte hierzu:
„Hier kamen Gäste – und Freunde gingen“. Dem ist auch heute nichts hinzu zu
fügen. Man nahm eine Gegeneinladung an und vereinbarte, sich im kommenden Jahr
in Dartford zu treffen. Die Resonanz auf diese Einladung bei den Mitgliedern
war enorm und man konnte einen Bus chartern für die Reise.
Bild 5: Clubmeeting Dartford 1981; Begrüßung im Beisein von Bürgermeister Albert May
Die Mitglieder wurden vom Bürgermeister der Stadt Dartford, Albert May, und dem Vorstand des North Kent Nomads Model Club aufs herzlichste begrüßt und allen, die dabei waren ist es bis heute ein unvergessliches Wochenende geblieben. Geblieben ist aber auch die freundschaftliche Verbundenheit der beiden Clubs bis zum heutigen Tag über die 39 Jahre. Man besucht sich regelmäßig im Wechsel in Dartford bzw. in Hanau.
Bild 6: Clubmeeting Dartford 1981, auf dem Fluggelände in den Dartford Marshes
Als
dann der Modellbauclub Hanau im Jahre 1981 endlich seine Werkstatträume
einrichten und beziehen konnte war es ihm ein besonderes Anliegen, auch dem
befreundeten Club ein Zeichen zu setzen und so wurde jener Raum, in dem man
sich regelmäßig traf „Dartford-Stube“ benannt. Der Hanauer Anzeiger wusste in
seiner Ausgabe vom 12. September 1981 zu berichten:
Leider
hatten sich die Konditionen für die Werkstatt in der Folgezeit derart
verschlechtert, daß sie schließlich im aufgelöst werden musste; die Miete und
der Unterhalt drohten den Verein in den Ruin zu treiben.
Angesichts seines Modellsportgeländes und der fortwährenden Unterstützung durch
die Gemeinde Ronneburg entschloss sich der Modellbauclub Hanau e. V. im Jahre
2010 zu einer Namensänderung und nennt sich fortan Modellbauclub
Hanau-Ronneburg e. V.. Er ist stolz auf sein Fluggelände und dankbar für die
Unterstützung, die er nicht zuletzt durch die Kommunen erhält.
Bild 7: Das Modellfluggelände in Ronneburg-Hüttengesäß an einem Sommerwochenende
Die
Clubfreundschaft erlitt durch die Aufgabe der Werkstatt keinen Schaden und man
trifft sich nunmehr seit 39 Jahren weiter im Wechsel, so auch in diesem Jahr
vom 22.-25. August.
Sein 65-jähriges Bestehen und möchte der Modellbauclub Hanau-Ronneburg e. V. beim Clubmeeting auf dem Modellflugplatz gemeinsam mit Freunden in kleinem Kreis am Samstag, den 24. August feiern. Hierzu werden auch die Offiziellen der namensgebenden Stadt und Gemeinde eingeladen.
Der
Verein freut sich schon heute auf ein schönes Wochenende mit Freunden.